Diplomarbeiten
Erika Weiß-Wichert
Zwischen den Zeilen.
Didaktische Untersuchungen zum romantischen Kunstlied
„Der Analytiker hört mit dem dritten Ohr. [...] Oder man kann auch sagen – und das ist eine ältere Redewendung: Er liest zwischen den Zeilen. Er sieht nicht nur das, was ihm direkt dargeboten wird, sieht in dem Dargebotenen und Beobachtbaren etwas mehr, nämlich etwas vom Kern der Persönlichkeit, die da handelt und von der jede Handlung nur Ausdruck ist, eine Manifestation, die jedoch stets eingefärbt wird von der gesamten Persönlichkeit.“
Dieses Zitat von Erich Fromm steht der Diplomarbeit von Erika Weisz-Wiechert als eine Art von Motto voran. Die Autorin hat sich die Aufgabe gestellt, das Auge des Lesers – und besonders das des Musiklehrers – auf jene kleinen Dinge zwischen den Zeilen“ romantischer Kunstlieder – den Textzeilen ebenso wie den Notenzeilen – zu lenken, um ihm und seinen Schülern ein tieferes Verständnis dieser Kunstgattung zu ermöglichen. Zum Gegenstand ihrer Untersuchungen hat die Autorin vier Lieder von Hugo Wolf nach Gedichten aus Eduard Mörikes Roman Maler Nolten“ gewählt. An ihnen versucht sie zu zeigen, in welcher Weise Literatur und Musik einander begegnen, Wort und Ton miteinander in Beziehung treten und wie es dem Komponisten gelingt, den lyrischen Text musikalisch zu deuten. Mit Hilfe zahlreicher Unterrichtsmaterialien und Beiträge aus der pädagogischen Fachliteratur werden sechs Hauptansatzpunkte herausgearbeitet, die für die Beschäftigung mit romantischen Kunstliedern im Unterricht der Oberstufe bedeutsam erscheinen. Das Hauptanliegen ist dabei die Auseinandersetzung mit einem Lied vor dem Hintergrund zeitgeschichtlicher, musikhistorischer und -analytischer Aspekte, insbesondere dem Bereich der Wort-Ton-Beziehung, aber auch der persönlichen Hör- und praktischen Musiziererfahrung. Erst die integrative Zusammenschau ermöglicht einen Gesamteindruck des Kunstwerks und nicht das isolierte Betrachten eines einzelner Aspekte.


