Diplomarbeiten

Andreas POINDL
“Religiöse Dimensionen in Popmusik - Eine Analyse von Songtexten der Jahre 1990-1993 im Vergleich mit einem Text von Friedrich Schiller”


Diese Diplomarbeit behandelt zentrale Fragen der Musikästhetik und Musikpädagogik, wie die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Trennung in “hohe” und “populäre” Kunst, die Frage nach den religiösen Funktionen von Kunst überhaupt (angesichts des fortschreitenden Prozesses der Säkularisierung seit dem 18. Jhdt.) und die Frage des Umgangs mit Popsongs im Musikunterricht (angesichts ihres hohen Stellenwerts im Rahmen gegenwärtiger musikalischer Sozialisation).
Ausgehend von seiner persönlichen Betroffenheit als Musikpädagoge entwickelt der Autor in ambitionierter Weise ein interessantes und originelles Konzept: er vergleicht Schillers “Bürgschaft” (als Dokument der “Hochkultur” und Objekt der ästhetischen Diskussion der 90er Jahre des 18. Jhdts.) mit drei Top-Hits der 90er Jahre des 20. Jhdts. (als Dokumente der “Populärkultur” und Objekt des ästhetischen Diskurses der Gegenwart).
Als Vergleichsebene dienen ihm fünf Fragen (Kriterien), die auf den Nachweis religiöser Dimensionen eines Textes abzielen.
Durch dieses Verfahren und eine Reihe von Gedankengängen zur Diskussion der Kategorie “Popularität” um 1800 und heute gelangt der Autor zu beachtenswerten Ergebnissen:
Schillers Ballade erfüllt in ihrer vereinfachend idealistischen Überzeichnung die Grundvoraussetzungen für populäre Kunst; alle drei Hits enthalten hochgradig religiös-sittliche Botschaften (sich an “Mutter Erde” erfreuen, Ehrlichkeit und Tiefe von Gefühlen und Bindungen, Kritik von Armut und Gleichgültigkeit) und erweisen sich als einem postulierten materialistischen Zeitgeist entgegengesetzt.
Eine weite Perspektive, die stets gewahrte kritische Distanz zum Gegenstand und das ambitionierte Anliegen, populäre Musik als wesentliches Feld von Sinnsuche in der Gegenwart zu begreifen, machen diese Diplomarbeit zu einem Prototyp wissenschaftlicher Berufsvorbereitung. (1997)

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