Berichte

Dez 14
Berichte 14/15

Richard Stöhr - Konservatoriums-Lehrer, Chronist, Komponist

Podiumsgespräch im Ö1-Radio Café


Historische Musikpädagogik: Nicht nur die neu aufgenommene CD mit Werken von Richard Stöhr von Stefan Koch (Violoncello) und Scott Faigen (Klavier) war Anlass, sich mit Richard Stöhr, dem langjährigen Professor für Komposition, Kontrapunkt, Modulieren, Analyse und Harmonielehre, der zunächst an der Chorschule und später am Lehrerbildungsseminar des Konservatoriums für Musik und darstellende Kunst Wien, dem Vorläufer der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Didaktik des musiktheoretischen Unterrichts lehrte, zu beschäftigen. 

Die Kulturwissenschaftlerin und Ö1-Redakteurin, Irene Suchy, hatte Gerold Gruber, den Leiter von Exil.Arte, der Österreichischen Koordinationsstelle für Exilmusik, und Beate Hennenberg, Laudatorin bei der Enthüllung der Gedenktafel 2003 (mit Restitutionsbeauftragten Kurt Scholz) und Autorin einer Studie über die noch unveröffentlichten, fast lückenlosen Tagebücher über 70 Jahre österreichischer Kultur- und Bildungspolitik, zum Gespräch ins Radio Café gebeten. Von rund 10000 Schülern ist die Rede, darunter Leonard Bernstein, Erich Leinsdorf, Rudol Serkin. Wie lehrte er? Vieles legte er in seinen didaktischen Lehrwerken nieder, die bis zu 21 Auflagen erführen und in der ganzen Welt zur Anwendung kamen. Wie mischte er sich in die Lehrerbildungspolitik ein? Er empfahl schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die Abschlusskurse an Privatmusikschulen wenigstens einer staatlichen Prüfung zu unterziehen. Das Besondere? Obzwar er ein überaus erfolgreicher Komponist im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war, zwischen einhundert und dreihundert jährliche Aufführungen sind nachgewiesen, sah er seine eigentliche Bestimmung im Lehren, dort sei "seine Insel", da finde er "Bestätigung", da sei sein "wirklicher Lebenslplatz". Und durch seine internationalen Kurse am Mondsee und in Tirol knüpfte er Kontakte in die ganze Welt, so dass dank seiner Initiative in den 1920ern jährlich rund 15 SchülerInnen nach Norwegen und Schweden in die Sommerfrische fahren konnten.

Auch sammelte er in den Jahren um 1920 Gelder aus Schweden, Dänemark und den USA für den musikpädagogischen Verband. Es wäre spannend, nähere Details aus den Tagebüchern zu erfahren, die - zum größten Teil in Gabelsberger Stenoschrift gehalten - jedoch so bald wohl nicht übertragen werden. 

Beate Hennenberg

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