Berichte

Sept 14
Berichte 13/14

Konferenz Inklusive Hochschule

Nationale und internationale Perspektiven


Am 22. und 23. September 2014 fand an der Universität Leipzig, 1409 gegründet und dem Grundsatz Aus Tradition Grenzen überschreiten verpflichtet, die Konferenz Inklusive Hochschule. Nationale und internationale Perspektiven/ Inclusive Higher Education. National and International Perspectives statt, ausgerichtet von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät.

In ihrer Eröffnungsrede begrüßte Prof. Dr. Barbara Drinck, Universität Leipzig, die 150 Gäste, darunter ReferentInnen aus 17 Ländern, und betonte, dass es bei dieser ersten Konferenz zunächst darum geht, Menschen mit ihren Bedürfnissen, die an einer Universität oder tertiären Bildungseinrichtung studieren, arbeiten, forschen oder mit dieser in Beziehung stehen, zunächst sichtbar zu machen. Im deutschen Sprachraum fühlen sich 8 Prozent aller Studierenden durch körperliche oder Sinnesbeeinträchtigung, durch chronische Erkrankung oder psychische Störung beeinträchtigt. Diesen sollte eine faire Chance auf einen Studienabschluss gegeben werden. Mit fortschreitendem Alter steigt im Bevölkerungsdurchschnitt jedoch auch die Häufigkeit von Behinderungen, wovon Angehörige an Universitäten oder Hochschulen betroffen sein können.

Tony Booth, University of Cambridge (Foto), diskutierte in seiner Keynote Inclusive Values – led Improvement in Higher Education: Theories into Practice? die Auswirkungen der Umsetzung von Inklusion in den Bereichen Lernen, Forschen sowie in den Beziehungen innerhalb und außerhalb von Hochschulen. An zwei Tagen und in je vier parallelen Panels stellten die Referentinnen und Referenten ihre Forschungsergebnisse vor. Justin J. W. Powell, Behindertenbeauftragter der Universität Luxemburg, sprach über Universal-Design-Hochschulen, Elisabeth Plate, Universität Halle, verglich die Volksschulsituation hinsichtlich der - neben den Lehrenden wirkenden - Sozial- und FörderpädagogInnen in England und Deutschland, Andreas Eckert, Interkantonale Hochschule Zürich, referierte zum Thema Studieren mit Asperger-Syndrom, Mathilde Niehaus, Universität Köln,  sprach über ihre Erfahrungen zu Inklusion von Akademikerinnen mit Behinderung, Saskia Schuppener, Universität Leipzig, verglich die Situation von Menschen mit zugeschriebener geistiger Behinderung an Hochschulen in Deutschland, Großbritannien und Irland und Beate Hennenberg, Musikuniversität Wien, stellte ihre Forschungsergebnisse über das Musizieren in der inklusiven Band der MDW vor. Das Institut für Musikpädagogik hat sich sogar in zweifacher Hinsicht Menschen mit Beeinträchtigungen zu widmen: zum einen betroffenen Studierenden (die z. B. von ADHS, ADS, psychischen Störungen betroffen sein können) und zum anderen SchülerInnen mit Teilleistungsstörungen oder einem Förderbedarf, auf welchen ein Musikerzieher oder Instrumentalpädagoge künftig treffen kann. In einer zweiten Keynote thematisierte Kerstin Merz-Atalik von der PH Ludwigsburg ein Modell für inklusive Kulturen und Strukturen in der Hochschulentwicklung, wozu etwa die aus der UN-Resolution resultierenden Impulse für Personalsteuerung, Zulassungen und Studienprogramme zählen.

Österreich hat die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung 2008 ratifiziert; der Nationale Aktionsplan, vorgestellt von der Bundesregierung 2012, weist mit seinen 250 Maßnahmen für Schule, Bildung, Erziehung, Universität den Weg dahin. Die Dunkelziffer von Betroffenen ist hoch. Daher wird es Zeit für empirische Befunde zur inklusiven Hochschulbildung.                 

Beate Hennenberg

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