Berichte

Mär 18
Berichte 17/18

Jahreskonferenz österreichischer Hochschulen

Verbesserung von Chancengleichheit


Die Jahreskonferenz für österreichische Hochschulen, also der Bologna-Tag, fand in diesem Jahr   am 22. März 2018 an der FH Eisenstadt statt. Diese Konferenz wird jährlich vom BMBWF und ÖeAD durchgeführt und stand heuer unter dem Thema Anerkennung früherer Lernerfahrungen: Strategien – Empfehlungen – Modelle. Vor allem ging es um Fragen der Initiierung gesellschaftlicher Teilhabe, um die Ermöglichung selbstverantwortlicher Lebensgestaltung, um Durchlässigkeit von Bildungsgängen und letztlich um die Bereitstellung von Verfahren für die Anerkennung von Lernleistungen, wobei das Individuum, seine individuelle Bildung und sein Lernen in den Fokus gerückt wurde. Der Besuch dieser Konferenz, im vergangenen Jahr hatte ich hier referiert, erschien mir als Sprecherin der Senats AG Barrierefrei wichtig.

160 Personen unterschiedlicher Verantwortung aus österreichischen Hochschulen nahmen teil. Nach der Begrüßungsrunde gab es die erste Podiumsdiskussion: Anerkennung und Anrechnung formal, non-formal und informell erworbener Kompetenzen. Heinz Kasparovsky, BMBWF, erwähnte die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Bezug auf das Lissabonner Anerkennungsübereinkommen, auch zum Schutz der Studierenden vor einem möglichen Scheitern, wenn Standards nicht eingehalten würden. Barbara Birke, AQ Austria, erinnerte daran, berufliche Erfahrungen wert zu schätzen und sie in die Hochschullehre einzubauen. Auch in künstlerischen Studien soll es möglich sein, große Blöcke von Erfahrung anzuerkennen. Andreas Breinbauer, FHK, gab zu bedenken, dass je informeller die Kompetenzen wären, desto teurer der Anrechnungsweg würde. 

Parallel konnte das Auditorium bei gestellten Fragen online abstimmen wie auch eigene Fragen generieren, welche zeitnah beantwortet wurden; die Fragen beispielsweise nach der finanziellen Belastung hinsichtlich des prüfenden Universitäts-Personals wie auch nach der Problematik bei Zeugnisfälschungen stellten sich mehrfach.

Patricia Staaf, Director Centre for Teaching and Learning, Malmö University, sprach in ihrer Keynote über Recognition of Prior Learning, inclusion and alternative routes to Higher Education in the light of increased migration. Vor allem der Informationsfluss ist zu verbessern, finanzielle Unterstützung sei zu gewähren und auch die MitarbeiterInnen in Verwaltung und Lehre sind zu schulen. Es schlossen sich zwei Forenrunden an, jeder am Bologna-Tag Teilnehmende konnte sich für zwei Workshops melden, etwa zu Gedanken und Szenarien von informell erworbenen Kompetenzen bei Studienzugang oder zu Entwicklung von zweckangemessenen, qualitätsgesicherten Verfahren. Am Ende des intensiven Tages stand ein abschließendes Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der einladenden Institutionen.  Eine wesentliche Erkenntnis war, dass solcherart Anerkennungen sowohl Chancen als auch  Pflichten bergen. Eine weitere, dass die Bringschuld über transparente Nachweise der Kompetenzen in Händen der Ansuchenden liegt. Unbeantwortet blieb, wie man umgeht mit veralteten Kenntnissen, also mit der Gleichwertigkeit nach langen Zeiträumen? Die Anrechnungsprocederes sollen künftig vom Gesetzgeber durch Projektmittel gefördert werden. 

Beate Hennenberg

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