Berichte

Jul 17
Berichte 16/17

Internationale Konferenz Inklusion – Bildung – Schule

Inklusion als Motor des Wandels?


Bei dieser dreitägigen internationalen Konferenz an der Humboldt Universität Berlin vom 29. 6. Bis 1. 7. 2017 ging es um die bildungspolitische Umsetzung von Inklusion in Deutschland und Europa, vordringlich an Bildungseinrichtungen. Andererseits wurde wieder einmal deutlich, dass auch darüber hinaus die Rahmenbedingungen stimmen müssen, wenn die Idee von Inklusion gelingen soll.

An diesem Dialog von Wissenschaft und Politik nahmen rund 100 Interessierte teil, es gab Fachvorträge, Podiumsrunden und DissertantInnenforen.  Zur Diskussion standen Themen wie Leistungserwartung von Lehrkräften in einer postmigrantischen Gesellschaft, Entwicklung von Inklusion vor dem Hintergrund von institutionalisierten Fördersystemen, Steuerung der Komplexität oder Expertisierung im Kontext von Inklusion oder Definition von schulischen Gelingensbedingungen.

Vera Moser (Humboldt Universität Berlin), Ute Erdsiek-Rave (Bildungsministerrat der EU), Birgit Lütje-Klose und Martin Heinrich (Universität Bielefeld) und Justin J. W. Powell (Universität Luxemburg) sprachen von der Herausforderung administrativer Steuerung inklusiver Bildungsprozesse, von Rekontextualisierungsprozessen in der Auseinandersetzung mit Inklusion, vom Kampf um die Deutungshoheit und davon, dass Inklusion weniger zu steuern als auszuverhandeln sei. Özcan Mutlu (Bildungspolitischer Sprecher Bündnis 90/ Die Grünen) bestätigte, dass mehr investiert werden müsse in die vielen maroden Schulen in Berlin, dass es auch Lehrende mit Migrationshintergrund geben müsse, welche auf die zahlrechen neuen SchülerInnen in Berlin gut eingehen könnten, denn Deutschland ist wie viele andere Länder Europas seit vielen Jahren ein Einwanderungsland. Er betonte, dass Inklusion das Beste ist auch für SchülerInnen mit besonderer Begabung. Es wurde deutlich, dass die Begriffe Leistung und Inklusion kein Gegensatzpaar sein sollten, dass die Kompetenzen jedes Lernenden anzuerkennen sind, dass nach dem viel zitierten Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention auch die Zivilgesellschaft gefordert ist Inklusion umzusetzen, nicht nur die Bildungseinrichtungen.  Und dass die nach wie vor institutionalisierten und getrennten Schulsysteme als Haupthinderungsgrund für Inklusion zur weiteren Diskussion stehen müssen.

Beate Hennenberg

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