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Berichte 10/11
Inklusiv musizieren
– ein Thema? – noch immer ein Thema!
Zu diesem Titel hielt am 15. April im Rahmen des 13. Wiener EMP-Forums Helga Neira-Zugasti, seit vielen Jahren eine Kapazität und engagierte Kraft für gelungene Inklusion und Lehrende am Institut für Musik- und Bewegungserziehung sowie Musiktherapie an der Wiener Musikuniversität, einen leidenschaftlichen Vortrag. Sie stellte dieses aktuelle Thema in einen noch größeren Zusammenhang und eröffnete einen Blick auf das gesamte kulturelle Feld unserer Gesellschaft.
Durch Speziaisierung, Institutionalisierung und Kommerzialisierung ging in unserer westlichen Welt weitgehend der inklusive Prozess verloren und es gilt nun, Menschen mit besonderen Bedürfnissen vor allem wieder als wertvolle Ressourcenträger zu erkennen, deren Potenzial für vorhandene Möglichkeiten wieder geschätzt werden soll. Berücksichtigt müssen bei diesem Prozess alle beteiligten Menschen und Faktoren, wie Lehrende, Musikerinnen, Familie, Freizeit- und Bildungseinrichtungen, Gesellschaft, aktive Zielgruppen, Eltern und BetreuerInnen werden. Nur wenn es gelingt, von einem defizitorientierten Bild von Behinderung weg zu kommen, kann es möglich werden, dass Menschen mit Behinderung selbstverständlich mit allen anderen leben und sich zugehörig fühlen können, wie es auch der Beschluss der UNO-Generalversammlung von 2006 vorsieht.
Für das inklusive Musizieren – als Lerngemeinschaft gesehen – gilt es, die individuellen Möglichkeiten in einen gemeinsamen Gestaltungsprozess zu bringen und die Gruppengröße, den Betreungsschlüssel und die Ausbildung den Anforderungen anzupassen. Drei Basiskompetenzen erscheinen der Vortragenden für die Lehrenden neben dem fachspezifischen Wissen als besonders wichtig:
- Empathie (das Mitempfinden-Können, das nicht wie ein Fach erlernbar ist, sondern lebenslänglich immer wieder erfahrbar wird)
- Didaktische Flexibilität (die aus dem Problemverständnis und der Sachkompetenz resultiert)
- Entwicklungsdynamische Beobachtung (Fähigkeiten werden beobachtet, nicht Defizite)
Vertieft und veranschaulicht wurde der lebendige Vortrag durch aussagekräftige Bilder und persönliche Erfahrungen der Vortragenden aus der eigenen langjährigen, pädagogischen Praxis. Im Anschluss entwickelte sich eine anregende Diskussion mit den zahlreichen Zuhörenden zu diesem Thema.
Helga Neira-Zugasti gelang es, alle zu beeindrucken und mit dem Wunsch anzustecken, Teil einer Gesellschaft zu werden, die Beeinträchtigungen als normalen Bestandteil menschlichen Lebens zu bejahen und darüber hinaus im Sinne der Diversität diese als Quelle möglicher Bereicherung wertzuschätzen!
Veronika Kinsky






