Berichte

Mai 15
Berichte 14/15

Es tönen die Lieder

Einblicke in meine persönliche Liederwerkstatt


Den dritten Vortrag zum semesterverbindenden Motto „SELBST GEMACHT “ gestaltete Ruth Schneidewind und schöpfte aus ihrer langjährigen Erfahrung mit selbstgemachten Liedern und aktueller Literatur zum Thema.

Auf lebendige, kurzweilige Weise ließ Ruth das Publikum an ihrer persönlichen Suche nach Kinderliedern teilhaben, in welcher immer eine wertschätzende, achtsame  Haltung gegenüber Kindern, ein hoher musikalischer und inhaltlicher Anspruch und die eigene Freude am Erfinden und Musizieren von großer Bedeutung sind.

Spannend die Frage, was zuerst kommt, der Text oder die Melodie? Meistens ist es bei Ruth der Text. In den Anfangszeiten ihrer Liederwerkstatt borgte sie sich gelegentlich Texte aus, beispielsweise von Friedl Hofbauer, bald schon schrieb sie aber Text und Melodie am liebsten selbst. Gelegentlich inspiriert auch eine bereits bestehende Melodie aus einem Tanz oder Musikstück zu einem eigenen Text und wird so zu einem Lied. Hörbeispiele und gemeinsam gesungene Lieder aus den Liederbüchern „13x3 und du bist dabei“, „Der Fernseher ist kaputt“ und „Freunde sind wichtig“ auch im Vergleich mit anderen Liedern verdeutlichen besonders Gelungenes. Für die Qualität eines Kinderliederbuches und einer Kinderlieder-CD ist das Arrangement und die musikalisch professionelle Aufnahme wichtig. Ruth erwähnt vor allem Hans Buchers Klaviersätze, Michi Ulms Gitarrensätze und die großartigen Musiker, die an den CD-Aufnahmen mitwirkten.

Zur Frage „Welches Lied hätte ich gerne geschrieben“ überraschte Ruth mit „Alle meine Entchen“ genauso wie mit „Let it be“ und erörterte, was man sowohl von bewährten Kinderliedern wie auch von gelungenen Popsongs für die eigene Liederwerkstatt lernen kann: Hier ist es die harmonisch schlichte, aussagekräftige und einfach zu lernende Melodie, dort sind es eine Hookline, interessante Rhythmen und komplexere Harmonien und Tonmaterialien.

Interessant war auch eine Übersicht zu Stadler-Elmers „Grammatik des Kinderliedes“ und deren Regeln zur zeitlichen Gliederung, tonalen Struktur und zum Text eines Liedes.

Eine dieser Regeln heißt „Kinderlieder stehen meist in Dur“. Wie gut, dass sich Ruth an diese Regel nicht so oft hält, denn sie ist eine Meisterin des Moll-Liedes, seien es berührende, mitreißende oder auch spannende Lieder. Eines dieser Lieblingslieder, „Papa-Mama-Ich will“ wird mit großer Begeisterung von allen mit Ruth am Klavier gesungen.

Am Ende des Vortrages stand ein Einblick in die aktuelle Situation am Kinderliedermarkt der meist in Richtung Bühnenperformance und Animation geht. Eine gute Orientierung für qualitätsvolle Kinderlieder-CDs ist der Medienpreis „Leopold“ des Verbandes deutscher Musikschulen.

Wichtig für Ruth ist es Lieder zu schreiben, die wertvolle Inhalte vermitteln, Sprache und Musik sinnvoll verbinden und vor allem Räume für gemeinsames Musizieren öffnen.

Veronika Kinsky

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