Berichte

Jun 17
Berichte 16/17

EMp-Forum

am 28. April und am 9. Juni 2017


Das diesjährige Forumsthema „Improvisation ist immer anders“ wurde gleich durch die ersten beiden Vorträge auf kunstvoll und lebendige Weise veranschaulicht:

Rudi Pietsch, Volksmusikkünstler und -forscher erläuterte zum Thema „Nix bleibt gleich - Zur Improvisation in der Volksmusik“, dass gerade durch die mündliche Überlieferung die Improvisation im weitesten Sinne für die Volksmusik von existenzieller Bedeutung und stilbildend ist. Viele Musikbeispiele, Videos und auch live gespielte Musik von ihm selbst und einer Gruppe Studierender verdeutlichten dieses.

Renald Deppe, Musiker, Komponist, Zeichner und Kurator, gestaltete seinen Vortrag zum Thema „Improvisation zur Stille“. In sieben Etappen führte er die Zuhörenden in unterschiedliche Qualitäten von Stille (als Bedrohung, Herausforderung, Macht, Annehmlichkeit, Hoffnung, Schutz, Verzweiflung und Trost) mittels Texten aus der Literatur, politischen Hintergründen, live gespielten Improvisationen von Studierenden und Musikbeispielen zeitgenössischer KünstlerInnen.

Beide Vorträge und dargelegten Musizier- und Improvisationsansätze, so unterschiedlich sie sind, treffen sich in den Gemeinsamkeiten, die sie beide auch zum Elementaren Musizieren aufweisen:

  • Die Möglichkeit für jeden Menschen vom ersten Ton an und auf jedem musikalischem Niveau mitgestalten zu können und sich musikalisch auszudrücken
  • Nicht Vorhergesehenes („Fehler“) nicht als Versagen, sondern als Chance für Variation und Innovation weiter zu führen
  • Eigenständiges ist willkommen
  • Offenheit allen Kulturen gegenüber
  • Wechselseitige Bereicherung durch Verknüpfungen von Musik mit anderen Ausdrucksformen wie Sprache und Bewegung
  • Ein achtsamer, feinfühliger Umgang miteinander

Diese bereichernden Erkenntnisse weiteten auf eindrucksvolle Weise das Staunen und die Wertschätzung für ganz unterschiedliche Musizier- und Improvisationsformen sowie für viel zu wenig bekannte zeitgenössische Kompositionen. Vielen Dank den beiden besonderen Vortragenden.

Veronika Kinsky

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