Berichte

Mai 18
Berichte 17/18

Community Music

13. Inklusive Fachtagung von mdw und Musikschule


Community Music bezeichnet nach Alicia de Banffy-Hall und Burkhard Hill sinngemäß einen wissenschaftlichen und praktischen Diskurs, der sich seit Jahrzehnten im Ausland entwickelt hat:  Er steht für ein aktives Musizieren in Gruppen, wobei die Musik als Ausdruck dieser Gemeinschaft erarbeitet wird und ihren sozialen Kontext spiegelt. Der musikalische Prozess und der soziale Prozess stehen gleichwertig nebeneinander. Ein gleichberechtigter Umgang von Menschen verschiedener Herkunft, Religion und Bildung, unterschiedlichen Geschlechts und Einkommens, ob mit oder ohne Behinderung, ob jung oder alt und von unterschiedlicher musikalischer Bildung soll ermöglicht werden. Außerdem beschreiben die Pioniere dieser Richtung, neben den oben Genannten auch Lee Higgins, dass Community Music auf Situationen non-formaler oder informeller Bildung aufbaut, die Teilnahme freiwillig ist und dass Gestaltungsräume angeboten werden. 

Nachdem wir (das Planungs- und Durchführungsteam besteht seit 2010 aus Beate Hennenberg, mdw, Michael Weber, Musikschule Wien, und Helga Zugasti, mdw, davor war sie ein Pionierprojekt der Musikschule Wien), mit Referenten Georg Feuer 2017 einen wichtigen Vertreter bildungspolitischer Diskurse eingeladen hatten, entschieden wir uns bei der 13. Fachtagung, welche am 25. Mai 2018 an der modern eingerichteten Musikschule Simmering stattfand, für ein musikpraktisches  aktuelles Thema, das vor allem unsere klassisch ausgebildeten Studierenden, Lehrenden und MusikerInnen ansprechen sollte. Mit Simone Siwek, der Leiterin von Spielfeld Klassik der Münchner Philharmoniker, als Keynotesprecherin hatten wir eine sehr geeignete Vortragende gefunden, sind doch die Münchner beispielgebend vielfältig und reflektiert auf dem Gebiet. 

Partizipation, Zugänglichkeit, Bezug zur Lebenswirklichkeit und Wertschätzung spielen bei dieser Art des Musikmachens, die natürlich mit den bekannten Strömungen Musikvermittlung und Konzertpädagogik engen Kontakt hat, aber über diese hinaus geht, eine große Rolle. Am anschließenden Round Table, das von Axel Petri-Preis, mdw, souverän geleitet wurde, nahmen Katja Frei, Konzerthaus, Education-Abteilung des Konzerthauses Wien, Dietmar Flosdorf, mdw und Musik zum Anfassen, Albert Landertinger, Bruckner Orchester Linz, Move.on, Simon Schellnegger, Superar und Simone Siwek teil. Fazit: Durch solcherart Musikprojekte soll Gemeinschaft bewegt und verändert werden. 

Vor dem Nachmittagsblock, an dem zwei namhafte Praktiker der Szene, Albert Landertinger und Dietmar Flosdorf, Good Practice Beispiele aus ihren Arbeitsbereichen präsentierten, trat die jüngst gegründete Young All Stars Band mit den Leiterinnen Veronika Kinsky und Eva Königer auf. Außerdem zeigte Shirley Salmon vom Orff Institut des Mozarteums Salzburg einen Film über Inklusive Tanzpädagogik.  Es schlossen sich spannende Diskussionen an. 

Resultate? Zum einen konnte das Thema auf eine breitere Basis gestellt werden, da unsere dreizehn Erasmusbesuchenden, allesamt ProfessorInnen oder Leiter europäischer Konservatorien oder musikpädagogischer Departments an Universitäten,  sich nun ebenfalls damit beschäftigten. Zum anderen wäre es an der Zeit, an jedem musikpädagogischen Institut der mdw ein inklusives Übungsfeld für Studierende bereit zu stellen. 

Beate Hennenberg

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