Berichte

„Mitten im Klang“

Musikvermittlungsinitiativen aus österreichischen Berufsorchestern

Auch wenn der Untertitel eigentlich eher das Ziel als den augenblicklichen Ist-Zustand der österreichischen Orchesterlandschaft bezeichnet - Hauptbeiträger und wichtige Akteure des Symposiums am 13. September 2003 waren die Vertreter der englischsprachigen Education Departments – so waren sich am Abend des aktions- und lehrreichen Tages alle einig: Das Berufsbild des Orchestermusiker ändert sich, die Aufgaben werden andere, das Publikum wird ein neues und die Sicht auf die Orchester wird eine andere als bisher. Das stellten die Teilnehmenden des Symposiums, Orchestermanager, in deren Aufgabenbereich die Schaffung solcher Departments fällt, Vertreter der magistratischen Schulpolitik, Lehrende, Studenten, Verwaltungsangestellte im Musikbereich sowie die Pionier-Generation der österreichischen institutionellen wie auch privaten Musikvermittler einstimmig fest.

Und sie hatten auf dem Wege dahin sehr viel Spaß: Nach der Eröffnung des Symposiums durch den scheidenden Generalsekretär der Jeunesse Österreich, Matthias Naske, das im Schönberg-Saal des Wiener Konzerthauses stattfand, stellte Fraser Trainer, Creative Director der London Sinfonietta, das durch ihn geleitete Education Programm vor. Unter dem Titel A new Generation beschrieb er, wie das Orchester talentierte Musiker für die verschiedensten Vermittlungsaktivitäten rekrutiert, wie gut die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Top-Komponisten wie Steve Reich, John Adams, Tan Dun oder Mark-Anthony Turnage funktioniert und wie immer neue, immer wieder unbegangene Wege beschritten werden. Sei es, dass die Musik mit anderen Künsten, mit Film, Animation oder Songwriting kombiniert wird, das Ziel ist, dass vor allem Kinder und Jugendliche die Handschriften der Künstler so kennenlernen, dass sie die Musik aus ihrem Innersten verstehen.
Paul Rissmann, langjähriger Leiter der konzertpädagogischen Projekte des Royal Scottish National Orchestras sowie des schottland-weiten Musikerziehungsprogramms (das 30 000 Kinder und Erwachsene jährlich erreicht), bereitet Orchestermusiker auf ihre Arbeit in Schulen vor und gibt Lehrerfortbildungen. Sein Vortrag beschrieb Das Orchester des 21. Jahrhunderts. Offensichtlich wurde, dass die Konzertveranstalter – bezogen auf den europäischen Raum – nicht mehr weiterplanen können wie bisher, denn das Publikum wird nicht nur älter, sondern weniger, auf der anderen Seite wird die digitale Technologie besser, und diese Tatsache sollte man nutzen, um mehr Publikum für Live Musik zu erreichen, um neue Orte zu bespielen, um auch sozial Benachteiligte sowie Menschen mit Handicaps zu erreichen. „Die Konzerte müssen mindestens so gut wie MTV und PlayStation 2 sein“, so Rissmann. So präsentierte er die von ihm entwickelten Workshops in Schulen, Lehrer-Trainingseinheiten, Schulkonzerte. Auch hier das Fazit: „Die Repertoire-Wahl ist das entscheidende“.
Sowohl mit Trainer als auch mit Rissmann wurde praktisch in Gruppen gearbeitet, um den Stil der Maßnahmen kennenzulernen.

Albert Landertinger, künstlerischer Leiter des Education Department des Bruckner Orchesters Linz, sowie Johanna Möslinger, konzeptionell und organisatorisch 2002/ 2003 für den Aufbau desselben verantwortlich, berichteten abschließend über ihre einjährige Arbeit und über ihre Erfahrungen hinsichtlich der neugegründeten Orchesterwerkstatt. Auch hier ist das Ziel, Jugendlichen und Erwachsenen eine intensive und kreative Beschäftigung mit Orchestermusikern zu vermitteln, aber auch den Orchestermusikern ein neues Selbstverständnis zu geben. Als einen wesentlichen Punkt nannten sie die Tatsache, mit eigenen Vorschlägen in die Programmgestaltung eingreifen zu können, um maßgeschneidert auf die Bedürfnisse des Publikums eingehen zu können.
Die Jeunesse plant, solche Ansätze von Vermittlungsaktivitäten landesweit in ihre Konzertaktivitäten mit einzubeziehen. Solcherart gerüstet, dürfte der zeitgenössischen klassischen Musik ein neues Verständnis seitens des Publikums sicher sein.
(erscheint in: Österreichische Blasmusikzeitung, Oktober, Oberwart 2003)

Beate Hennenberg

© 2019 Metternichgasse 8
A-1030 Wien, Tel. +43 1 71 155 DW 3701, Fax +43 1 71 155 DW 3799