Berichte

Niederösterreichische Leiterakademie: Zusammenarbeit zwischen Musikschulmanagement Niederösterreich und Wiener Musikuniversität

Es ist naheliegend, dass in einem dezentral organisierten Musikschulsystem der Leiterin bzw. dem Leiter der örtlichen Musikschule eine wesentliche Rolle bei der inhaltlichen und organisatorischen Gestaltung und Entwicklung der Musikschule zukommt. Sowohl Managementfähigkeiten als auch pädagogische Ideen, Offenheit für pädagogische Neuerungen, Führungsstil und Präsenz in Stadt und Gemeinde sind Anforderungsprofil des heutigen Musikschulleiters.

 

Es war daher an der Zeit, ein entsprechendes Forum zu schaffen, in dem nicht nur Erfahrungsaustausch stattfinden kann, sondern es auch möglich ist, pädagogische und bildungspolitische Fragen sowie den individuellen Arbeits- und Führungsstil mit Anregungen von außen zu diskutieren.

 

So wurde vor eineinhalb Jahren vom niederösterreichischem Musikschulmanagement ein Arbeitskreis eingerichtet, der sowohl in organisatorischen als auch in inhaltlichen Fragen entscheidend von Univ.-Prof. Dr. Peter Röbke / Insitut für Musikpädagogik Wiener Musikuniversität - mitgetragen wurde.

Das Ergebnis:

 

Die Leiterakademie: ein sechstägiger, vornehmlich an pädagogischen Fragen orientierter und von Peter Röbke geleiteter Kurs für MusikschulleiterInnen – zwei Mal drei Tage – mit hochkarätigen Gastreferenten aus dem In- und Ausland, Podiumsdiskussionen, Workshops, viel Austausch unter den Teilnehmern und den Referenten.

Der erste Teil dieser Leiterakademie fand mit mit 30 TeilnehmerInnen vom 23. bis 25. Jänner im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten statt.

 

Teil A: Der umfassende Auftrag der Musikschule – Rahmenbedingungen begann mit einer Vorstellungsrunde (im Grunde ein Kennenlernen und eine erste Problemsicht), Erwartungen an den Kurs und Ausblick auf den Kurs. Das Impulsreferat von Peter Röbke: Musikschulen im Wandel folgte.
Sehr spannend gestaltete sich das anschließende Workshop von Gerhard Wolters, dem Autor des Buches „Multidimensionaler Unterricht“. In mehreren praktischen Beispielen durften die Teilnehmer auf spielerische Weise erfahren, wie sich der Freiburger Musikschuldirektor die Musikschule als Ort der Kommunikation mit all seinen „flexiblen“ Unterrichtsfacetten vorstellt.
Auch der folgende Gastreferent Karl Geroldinger, Direktor des oberösterreichischen Landesmusikschulwerks, wurde mit Spannung erwartet, zumal das Bundesland Oberösterreich als das musikalische „Schlaraffenland“ unter sämtlichen Bundesländern gilt. Einem Bericht über den Modellversuch „Flexible Unterrichtsformen“ folgte eine angeregte Diskussion.

 

Der Freitag, der dem Verhältnis von Regelschule und Musikschule gewidmet war, begann mit einem Vortrag über das Mainzer Modell „Klassenmusizieren“ von Ann-Kathrin Erdelyi, in dem es im wesentlichen um Regelschule und Musikschule übergreifenden Instrumentalunterricht mit ganzen Klassen geht.
Anschließend folgte ein Bericht des Hamburger Musikschuldirektors Wolfhagen Sobirey, der infolge der schlechten deutschen Wirtschaftslage und den daraus resultierenden Kürzungen vor allem im künstlerischen Bereichen versucht, neue Wege zu finden. Medienwirksame Marketingstrategien und Projekte wie der „Jamliner“ (ein Band-Bus, der in Randbezirke fährt und dort mit Kindern und Jugendlichen eigene CDs produziert) wurden ebenso vorgestellt wie die intensive Kooperation mit Volksschulen im Rahmen der so genannten „Verlässlichen Halbtagsgrundschule“.

 

Nach dem Blick auf die grundlegenden Aufgaben und Strukturen von Musikschulen und einer Exkursion an die Musikschule St.Pölten wurden nun einzelnen fachliche Fragen der musikalischen Ausbildung an einer Musikschule thematisiert.

Peter Röbke demonstrierte, wie ein Instrumentalunterricht aussehen könnte, der sich als Musikunterricht versteht. Malte Heygster (Musikschuldirektor in Bielefeld) vermittelte uns sehr eindrucksvoll Instrumentalunterricht auf der Basis des inneren Hörens und der relativen Solmisation. Rudolf Nykrin (Mozarteum Salzburg) referierte über das Verhältnis von Instrumentalunterricht und elementarer Musikpädagogik.

 

Den Abschluss der ersten Tagung gestaltete Bianka Wüstehube (Bruckner-Konservatorium Linz), die sehr praxisnah mit uns die Nahtstelle EME – Instrumentalunterricht „erspielte“ – zur großen Freude der erwachsenen Teilnehmer!

 

Nachdem der erste Teil der Leiterakademie ein breites Spektrum der musikpädagogischen Möglichkeiten entfaltet hat, wurden in Teil 2 konkrete Möglichkeiten der Umsetzung durch Leitungsstrategien und Maßnahmen der Personalentwicklung thematisiert:

 

Die LEITERAKADEMIE II von 10. bis 12. April 2003 im Seminarzentrum Schloss Zeilern
widmete sich dem Thema Qualitätsmanagement an der Musikschule.
Brigitte Lion-Slovak und Christine Stöger / Musikuniversität Wien – Musikpädagogisches Zentrum gestalteten den Workshop: Qualitätsmanagement auf Leiterebene. Ulrich Wüster stellte das Projekt des Verbandes deutscher Musikschule Qualitätsmanagement an Musikschulen vor, Karl Geroldinger ergänzte (insbesondere Thema „Mitarbeitergespräche“).

Maria Thanhoffer zeigte uns (Max-Reinhardt-Seminar Wien) in vielen Übungen sehr eindrucksvoll, wie wichtig gerade für den Musikschulleiter und den Instrumentallehrer die Auseinandersetzung mit der nonverbalen Kommunikation ist. Kleines Beispiel: Was sagt uns die Körperhaltung und wo stehe oder sitze ich überhaupt als Lehrer? Wie zeige ich in die Noten – warum unterlasse ich tunlichst das Zeigen mit dem ausgestreckten Zeigefinger?....

Erich Vanecek von der Universität Wien - Leiter der Abteilung für Musikpsychologie am Institut für Psychologie - und Peter Röbke diskutierten anschließend in offener Runde über grundlegende Probleme der Messbarkeit musikalischer Begabung und Leistung. Im Rahmen dessen wurde dem durchaus kritischen Auditorium ein neuer Begabungstest vorgestellt.

 

Am Abend gab es dann einen gemeinsamen Ausflug ins Bauernmuseum von Anton Distelberger, der uns seine jahrzehntelang zusammengetragene Sammlung wortreich präsentierte: „mei Sammlerlebn“. Klar, das anschließend das hauseigene Mostgebräu ausgiebig verkostet wurde....

 

Im letzten Teil der Leiterakademie wurde versucht, in Gruppenarbeit eine Argumentationsstrategie zur öffentlichen Positionierung der Musikschule zu entwerfen. Neben Gestaltung von Websites entstanden u.a. Slogans für Musikschulen.

Abschließend sei noch erwähnt, dass neben dem Erfahrungsaustausch sämtliche Beiträge, insbesondere diejenigen mit aktiver Tätigkeit, und auch die durchgehende Anwesenheit des NÖ. Landesmusikschulwerkes und der Musikuniversität Wien als äußerst positiv gewertet wurden.

 

Aufgrund des grossen Interesses (nach der ersten Ausschreibung haben sich nahezu die Hälfte aller NÖ. MusikschuldirektorInnen angemeldet!) findet im Herbst 2003 eine weitere Leiterakademie statt, die im Wesentlichen der ersten entspricht.

Ann-Kathrin Erdelyi

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