eLearning Didaktik Fachtagung 10/2009

eLearning und Neue Medien im Unterricht und in der Lehre

20. - 21. Oktober 2009 am TGM Wien – Die Schule der Technik

 

Diese Fachtagung bildete bereits zum vierten Mal ein Forum für eLearning Expertinnen und Experten aus allen Bildungsbereichen und für Lehrende, die sich dem Unterricht mit den „Neuen Medien“ verschrieben haben. Ein Vormittag war dabei dem Bereich „Musik & Kunst” gewidmet. Die Musik war mit 3 von 4 Referentenbeiträgen sehr stark vertreten.

 

Birgit Hofstätter vom Interuniversitären Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur der TU Graz (IFZ)  präsentierte ein mit SchülerInnen des Musikgymnasiums Graz durchgeführtes Projekt zum Thema „Partizipative Technikgestaltung“ mit dem Titel „Engineer your Sound!“.

 

Manfred Rechberger vom Institut für Musikpädagogik Graz (IMPG) beantwortete die im Titel seines Beitrags gestellte Frage „Netbooks im Musikunterricht: Alltag oder Musik von morgen?“ mit „ja“. Er betonte besonders die Vorteile von online-Tools für den Unterrichtsgebrauch: kostenlos, für alle verfügbar, keine Installation notwendig und große Auswahl an Web2.0-Anwendungen (z.B. Podcasting, online Gehörbildungs- oder Notationstools).

 

Die Salzburger Abteilung Musikpädagogik (SAM) der Universität Mozarteum war durch Fritz Höfer vertreten. Als einer der erfahrensten Musikpädagogen Österreichs im Bereich eLearning wies er darauf hin, dass Lernplattformen und eLearning gerade im musikalischen Bereich weitaus mehr Möglichkeiten bieten könnten als das traditionelle Schulbuch. Die professionelle Entwicklung von Lernplattformen durch Verlage werde jedoch durch die Urheberrechtsproblematik gehemmt. Gerade bei multimedialen Inhalten (Bilder, Videos, Musikbeispiele) entstehen schnell enorme Copyright-Kosten, weshalb die Investition in professionell gestaltete eLearning-Projekte für Verleger kommerziell uninteressant ist.

Sehr klar umriss Höfer seine Sicht zur Bedeutung des Computers im Musikunterricht. Neben dem Computer als „elementare zeitgenössische Kulturtechnik“ und einer natürlichen Affinität des Musikunterrichts zu Neuen Medien sei vor allem das innovative Moment entscheidend: Was kann der Computer im Musikunterricht bieten, was andere Methoden und Zugangsweise nicht können? Beispiele hierfür wären der Computer als Musikinstrument für Nichtinstrumentalisten, oder die „Lerner-Zentriertheit“ des eLearning, die dem veränderten Rollenverhältnis von „Lehrer“ und „Schüler“ entspricht und individuelles Arbeiten erleichtert.

 

Interessantes Detail: Sowohl Rechberger als auch Höfer sind ausgewiesene Spezialisten für den Bereich Neue Medien und hier mit viel Innovationsgeist und spürbarer Leidenschaft bei der Sache. Neben ihrer universitären Tätigkeit sind beide auch als schulische Musikerzieher aktiv, und als solche sahen sie in ihren Vorträgen bzw. bei den anschließenden Fragerunden den Einsatz von Neuen Medien durchaus nüchtern. Der (Zeit-)Aufwand, der bei Medienarbeit für logistische Vorbereitungen (z.B. Aufbau von Laptops, Verkabelung, Hochfahren) und technische Problemlösung (z.B. fehlende Internetverbindung) anfalle, sei in der täglichen Unterrichtspraxis oft ein Grund, den tatsächlichen Ertrag des Einsatzes neuer Medien zu hinterfragen. Beide Referenten betonten, dass die Arbeit mit Computern für sie nur EIN Baustein eines lebendigen Musikunterrichts sei, der andere essentielle Elemente wie z.B. das praktische Singen und Musizieren weder ersetzen kann noch soll.

Wilfried Aigner

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